Nachhaltigkeit als Hundehalter

Habt ihr schon einmal von den Begriffen Zero Waste und Less Waste gehört und eine Ahnung, was hinter ihnen steckt? Seit fast einem viertel Jahr beschäftige ich mich nun mit diesem Thema. Denn die Belastung der Umwelt durch den von Menschen erzeugten Müll wird immer größer, ebenso wie die Ausbeutung von natürlichen Ressourcen, die nicht unendlich vorhanden sind.

Was hinter Zero Waste steckt
Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass Zero Waste eine nach Nachhaltigkeit strebende Philosophie beschreibt. Das Ziel, welches dabei verfolgt wird, ist ein Leben zu führen, bei dem man möglichst wenig Abfall produziert und keine Rohstoffe vergeudet. Dieses Ziel wird insbesondere durch Konsumminimierung beziehungsweise teilweise auch -verweigerung, sowie  Abfallvermeidung, Reparaturen, Wiederverwendung, Kompostierung und Recycling zu erreichen versucht.

Warum wir versuchen nachhaltiger zu leben
Angefangen hat alles damit, dass ich bei einigen Nachbarn beobachtet habe, wie häufig sie zu den Mülltonnen gehen. Bei manchen belief es sich auf zwei bis drei Säcke alle zwei Tage, die weggeworfen wurden. Darüber war ich ziemlich schockiert! Kurzerhand beschloss ich, unseren Konsum, sowie den dadurch anfallenden Müll, selbst einmal genauer zu beobachten. Das Ergebnis meiner Beobachtungen war zwar nicht so schlimm wie bei manchem Nachbarn, aber dennoch genug um den Entschluss zu fassen, dass sich etwas ändern sollte.

Jede Veränderung zählt – es summiert sich!
Ich recherchierte nachhaltigere Alternativen zu den Dingen, die wir tagtäglich verwenden. Beim Einkauf auf unverpacktes, regionales und saisonales Obst und Gemüse zurückgreifen und es, statt in Plastiktüten, in Baumwollnetze packen und Beutel verwenden. Klappt übrigens auch beim Bäcker mit Brot und Brötchen sehr gut. Putzmittel für Küche und Bad lassen sich leicht aus unterschiedlichen Gemischen von Natron, Soda, Citronensäure und Seife herstellen. Dabei sind sie dann sogar umweltschonender, als die Chemiekeulen aus dem Handel, wenn sie ins Abwasser gelangen. Statt Tetrapacks und Einwegflaschen auf Mehrweg-Pfandflaschen zurückgreifen und Wurst oder Käse, wenn man diese isst, an der Theke mit so wenig Verpackung wie möglich kaufen. In manchen Läden werden sogar mitgebrachte Behälter akzeptiert, in die man sich die Waren geben lassen kann. Je nachdem wo man wohnt, gibt es auch Unverpackt-Läden. Da kann man sich mit Dingen wie Reis, Nudeln, Linsen und vielen anderen Trockengütern eindecken. Schon derartige erste Schritte können einem helfen, seinen Müll zu verringern und die Umwelt zu entlasten. Auch als Hundehalter ist es machbar nachhaltiger zu leben, was natürlich der Grund für diesen Artikel ist. 😉

Nachhaltigkeit als Hundehalter
Nachdem unser letztes Hundeshampoo aus der (Plastik)Tube aufgebraucht war, stieg ich auf eine Stückseife für Jack um. Darüber schrieb ich bereits. Frei von Mikroplastik, Sulfaten, Parfümen, Duftstoffen, Konservierungsstoffen, Farbstoffen, Parabenen, Silikonen, PEG, Paraffinen und tierischen Inhaltsstoffen ist eine solche Seife zum einen moralisch vertretbar, belastet die Umwelt weniger und ist wesentlich langlebiger. [Wer das gern nachlesen möchte, der klickt einfach mal hier.]

Das Thema Hundefutter ist allerdings etwas schwieriger, und in meinen Augen immer eine Einzelfallentscheidung. So kaufe ich keine Dosen oder Fertigfutter sondern BARFE. Ich verzichte auf viele einzeln verpackte Futterpackungen. Stattdessen greife ich auf große Abpackungen im 1 kg-Format zurück. Natürlich bestimmt die verpackte Menge gleichermaßen die Fläche der Umverpackung. Da mache ich mir nichts vor. Das ist nun mal bei allen Waren so. Trotz aller Recherche ist es mir jedoch nicht möglich, vor Ort alle benötigten Futterbestandteile fürs BARFEN unverpackt zu organisieren. Man muss also realistisch bleiben. Dafür bestelle ich so selten wie möglich, um keine unnötigen Lieferfahrten zu erzeugen. Sprich, 4 x im Jahr wird der Vorrat aufgestockt.

Ein anderes Thema, wo man dafür nachhaltiger handeln kann, sind Kotbeutel! Im Zuge meiner Zero Waste Recherchen und Veränderungen bin ich auf ein sehr interessantes Produkt gestoßen. Davon möchte ich heute berichten. 😉

Kotbeutel – die Wahl zwischen Pest und Cholera
Eigentlich hat man als Hundehalter nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, wenn es um Kotbeutel geht. Denn gut für die Umwelt sind die Dinger nicht! Völlig gleich ob man herkömmliche Plastik-Kotbeutel oder die immer häufiger anzutreffenden “biologisch abbaubaren” Kotbeutel benutzt. Beide Arten gehören in allen Fällen in den Restmüll und sind absolut nicht umweltfreundlich! Besonders mit den “Bio-Beuteln” wird dem Verbraucher etwas vorgegaukelt. Man verspricht biologische Abbaubarkeit, die aufgrund der Zusammensetzung aus Mischkunststoffen nicht gewährleistet werden kann. Doch nur die wenigstens wissen das! Man liest beispielsweise etwas von Maisstärke und denkt sich, natürlich ist dieser Biokunststoff abbaubar. Doch werden in viele Hundekotbeutel aus Maisstärke oder anderen Biostoffen Additive hinzugefügt. Heißt Zusätze wie Stabilisatoren, Gleitmittel oder Antistatika, und diese sind rohölbasiert!

Egal welche der eben genannten Beutel man also nutzt, keiner davon gehört in den Biomüll oder die Natur. Kompostieranlagen, die Biomüll verarbeiten, sortieren Kotbeutel sogar gänzlich aus, da sie Störstoffe enthalten. Sie landen demnach ohnehin in der Müllverbrennung. Folglich kann man die Hinterlassenschaften des Hundes nur in den Restmüll entsorgen. In modernen Müllverbrennungsanlagen wird dann das Bestmögliche mit Kotbeuteln gemacht, nämlich Energie, die im Anschluss ins Strom- und Wärmenetz eingespeist wird. Man darf aber eben bei allen Kunststoffen nicht vergessen, dass selbst bei erheblichem Filteraufwand in den Verbrennungsanlagen eine Freisetzung von Schadstoffen nicht vollständig vermieden werden kann. Und außerdem werden so mit hohem Aufwand Produkte und Stoffe zerstört, die zuvor mit noch höherem energetischem und technischem Aufwand hergestellt und transportiert wurden.

Der “PooPick” – eine grünere Alternative
Im Zuge meiner Recherchen stieß ich also auf ihn, den PooPick. Das ist eine Art Schaufel aus Pappe, um hündische Hinterlassenschaften aufnehmen und entsorgen zu können. Es gibt ihn in zwei Größen, je nachdem ob man einen Hund unter oder über 25 kg Körpergewicht hat. Abhängig von der Größe des jeweiligen Hundes ist gewissermaßen ja auch die Größe seiner Hinterlassenschaft! (Wir haben daher die kleineren Schachteln probiert, versteht sich.)

Diese PooPicks bestehen aus Wellpappe und werden zu 100% in Deutschland gefertigt. Zwischen 50 bis 70% des Materials ist Recycling-Papier. Der restliche Anteil ist Frischpapier aus Resten der Möbelindustrie, sodass für die Produktion kein Baum gefällt werden muss. Der sehr geringe Anteil an verwendetem Kleber besteht aus Kartoffelstärke (=vegan), und die verdruckte Farbe ist wasserlöslich und umweltunbedenklich.

Der Versand der Bestellungen erfolgt ohne weitere Umverpackung. Das heißt die Versandverpackung ist gleichzeitig auch als Wandspender zu gebrauchen, in dem sich die einzelnen Schachteln befinden. Geliefert wird mit DPD, da bisher nur dieses einen klimaneutralen Versand anbietet. [Weitere Infos dazu findet ihr hier.]

 

Was die Entsorgung des PooPick angeht schrieb mir Geschäftsführer Christian Salzmann, dass dieser in der Natur innerhalb weniger Wochen komplett kompostiert wäre. Dabei spricht man natürlich immer von idealen Bedingungen. In den Bildern seht ihr den Karton inklusive Inhalt unter normalen Grasschnitt gelegt. Obendrauf kam lediglich Regenwasser, welches dafür sorgte, dass die Pappe sich zersetzt. (links die Zersetzung nach zwei und rechts die Zersetzung nach vier Wochen unter Grasschnitt)

 

Grundsätzlich gehören auch die Pappschachteln in den normalen Müll, nicht in die Natur oder auf den Kompost. Es ist der Inhalt, der Kot, der nicht in die Natur, und damit ins Grundwasser, soll. “In der Realität schmeißen viele Hundebesitzer den Kot mit Verpackung in die Natur. Auch wenn das beim PooPick nicht sein sollte, würde aber hier der positive Effekt der Kompostierung greifen”, so erklärt Salzmann. Größter Vorteil gegenüber Kotbeuteln aus Plastik oder vermeintlicher “Bio-Beutel” ist, dass beim PooPick reine Biomasse verbrannt wird. Dadurch dass er aus 100% Holz besteht, verbrennt er klimaneutral. Es wird nur soviel CO2 ausgestoßen, wie der Baum in seiner Lebenszeit aufgenommen hat. Bei der Verbrennung jeglicher Plastikbeutel hingegen werden fossile Energieträger verbrannt, hauptsächlich Erdöl und Chemie. Somit wird übermäßig viel CO2 ausgestoßen, was den Treibhauseffekt ankurbelt. [Auf der Facebook-Seite des PooPick findet ihr dazu einen Artikel, hier der Link.]

Der soziale Aspekt des PooPick
Da ich selbst einen Familienangehörigen mit Behinderung habe, der in einer Werkstatt für körperlich Eingeschränkte arbeitet, hat mich der soziale Aspekt der Firma emotional sehr bewegt. Zusammengefaltet und versendet wird der PooPick nämlich in den Nordeifelwerkstätten, von Menschen mit körperlicher Behinderung. Die Arbeit an Produkten wie dem PooPick ermöglicht den Mitarbeitern dieser Werkstätten das Erlernen von Fingerfertigkeiten und die Verbesserung der Ausdauer. Mit jedem Kauf wird also nicht nur Plastikmüll vermieden, sondern gleichzeitig werden Menschen mit Handicap bei der Inklusion in den Arbeitsmarkt unterstützt. Das ist sehr wichtig und toll und auf jeden Fall wert gefördert zu werden!

Meine Meinung zum PooPick
Erst zweifelte ich daran, ob der PooPick nicht recht umständlich ist. Immerhin muss er vor Gebrauch erst zusammengesteckt werden. Ob so etwas die Leute nicht abschreckt? Nach ein paar Testläufen kann ich sagen, dass die Schachteln ruckilecki einsatzbereit sind. Man hat den Dreh schnell raus. Es braucht nicht viel länger, als einen Kotbeutel zu entfalten und die Hinterlassenschaft aufzusammeln. Wer seinen Hund kennt, sieht auch Anzeichen für’s Hinhocken zum Geschäft im Vornherein und kann dann bereits beginnen, das Pappschächtelchen zu falten. Eigentlich alles wirklich kein Problem! 😉

Der Preis von 7,99 € für 25 normale oder 8,49 € für 25 XL PooPicks ist zugegebenermaßen nicht vergleichbar mit Kotbeuteln aus Plastik oder Biostoffen zu Dumpingpreisen. Allerdings engagiert sich die Firma für Menschen mit Behinderung und hilft verantwortungsvollen Hundehaltern beim aktiven Umweltschutz. Mir sind die (aufgerundet) 35 Cent, was ein PooPick im Schnitt kostet, ehrlich gesagt nicht an den Allerwertesten gebacken. Dieses Geld investiere ich gerne, wenn ich damit ein umweltfreundliches Produkt verwenden kann. 


Wer jetzt auch Lust auf Gassigehen ohne Plastik bekommen hat, der klickt dann bitte einmal hier, um sich bewusst für eine saubere und obendrein noch soziale Sache zu entscheiden, nämlich für den PooPick! Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! 😉

 

 

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