kaputterzogene Hunde

Ein Welpe zieht ein. Von Beginn an versucht man alles richtig zu machen. Erstmal fixiert man sich auf die Stubenreinheit. Dann beginnt man seinem neuen Schatz die Reize der Außenwelt näherzubringen, damit diese ihn später nicht überfordern. Große Runden laufen darf das junge Tier ohnehin noch nicht, also kann man ruhig schon mal an den sogenannten Grundkommandos arbeiten. Dann fängt es langsam aber stetig an. Erst die Welpenspielstunde, dann der Grundkurs um die Kommandos nochmal nachdrücklich vorzustellen. Der Junghundkurs mit Stadtgängen und Gruppenübungen und später wird einem zum Agility oder anderen hippen Beschäftigungen auf dem Hundeplatz geraten. Und eh man sich versieht, befindet man sich Zeit seines Lebens im Hundeschulen-Knast. Denn man lernt ja bekanntlich nie aus und es ist doch so unfassbar wichtig, dass die Hunde permanent Sozialkontakte haben, weil wir als Mensch nicht genügen.

Ein Tierschutzhund wird gerettet. Man tastet sich vorsichtig an ihn heran, legt ihm die Welt zu Füßen, damit es ihm an nichts fehlt. Alles soll er haben, denn er hatte es wirklich schwer, bevor er zu einem kam. Wenn man ihm dafür Verständnis zeigt, wir wollen es mal nicht Mitleid nennen, wird er uns auf ewig dankbar sein, gerettet worden zu sein. Ganz sicher! Denn er hat es ja dank uns nun besser. Wir stellen ihm die befreundeten Hunde vor und sagen, es ist okay, wenn er dieses oder jenes Problem hat. Durch die neuen Sozialkontakte wird er mit der Zeit lockerer und sich besser integrieren. Außerdem rollt man alle Kommandos neu auf, ganz gleich ob er schon welche kannte oder nicht.

Der Umgang mit einem Hund ist leicht. Man muss lediglich eine große Tüte Leckerchen, tolles Spielzeug, vielleicht eine Pfeife und das Superleckerlie für den Notfall mit dabei haben. Dann kann doch gar nichts mehr schiefgehen! Und falls doch, dann war es der böse Trieb, es ist ja ein Tier und trotz Domestikation bekommt man Triebigkeit nie völlig raus. Dann hofft man, dass es genügt, wenn der Vierbeiner “auch mal Hund sein darf”. Dazu muss man ihn dann schon auch mal auf dem Feld oder im Wald ableinen, obwohl man vielleicht etwas Bammel davor hat, er rennt davon oder macht Blödsinn. Aber das muss man ihm schon eingestehen, diese Freiheit ohne Leine zu laufen. Immerhin hat man doch die Leckerchentasche um die Hüfte, mit der man ihn ködern kann, wenn er freiläuft. Einfach alle 10 bis 50 Meter einmal ranrufen und absitzen lassen. Um das Gehorsam zu überprüfen. Das ist ganz wichtig. Man sollte sich zwischendurch immer mal versichern, dass der Hund noch dazu in der Lage ist, sich auf seine vier Buchstaben zu setzen, Pfötchen zu geben, einen Twist zu machen oder andere unnütze Dinge, die man ihm möglicherweise zur Selbstbelustigung beigebracht hat.

Das Trainieren und Rückversichern, das hört nie auf. Wir dürfen schließlich nicht vergessen, der Hund ist entfernt verwandt mit einem wilden Tier, dem Wolf. Und weil das jedes Kind weiß, kann man auch davon ausgehen, dass er sich daher, wie sein Vorfahre Wolf, zwingend an eine Rudelstruktur und Hierarchie halten muss. Auch wenn man möglicherweise schon mal irgendwo aufgeschnappt hat, dass die Alphatier-Theorie längst meilenweit überholt wurde. Man muss schon seinen Platz beanspruchen, als Mensch, unser Wille obliegt allem, der Hund hat sich unterzuordnen. Das kann er doch auch super, wenn man es ausreichend trainiert. Oder warum sonst gibt es Obedience? Gut okay, dass dieser “Hochleistungssport für Hunde” aus dem Schutzhunde-Sektor kommt, ist doch eher zweitrangig. Es sieht super geil aus, wie der Hund mit erhobenem Haupt neben dem eigenen Bein hertrottet und trotz Genickstarre Parcours mit seinem Menschen absolviert. Fördert das nicht auch die Bindung? Na das will man hoffen! Immerhin investiert man viel Zeit mit dem Training, das einen mit seinem Hund verbindet. Ich meine, ist einem das eine Spur zu krass, reicht auch Agility oder beim alten Hund Degility oder eine der anderen dutzend neumodischen “Hundesportarten”. Das Spektrum ist breit gefächert, sodass kein Hund und Halter faul herumliegen muss, sondern das Geld in der Hundeschule fröhlich zum Fenster herauswerfen kann. Alles zum Zwecke der Bindung, für die gemeinsamen Aktivitäten.

Ruhe und Entspannung muss man ohnehin trainieren, das kann ein Hund nicht von allein. Man kann schon froh sein, wenn er des Nachts die Augen selbstständig schließen und einschlafen kann. Im schlimmsten Fall muss man sich Gedanken darüber machen, ob man nicht besser täglich eine halbe Stunde gemeinsam mit seinem Hund meditieren sollte. Immerhin ist der Alltag für so einen Vierbeiner sehr stressig und er wird es sehr schätzen, wenn man sich meditativ auf die Isomatte mit ihm begibt. Irgendeinen Ausgleich braucht oder doch zu dem Hundesport und den unfassbar schwierigen Anforderungen wie Sitz, Bleib, Komm.

Zu guter Letzt darf mein eines dann auch nicht vergessen. Wenn nämlich nach dem ersten Hund ein zweiter einziehen sollte, dann heißt das längst nicht, dass man schon genügend Erfahrungen als Halter hat. Lieber nochmal zur Hundeschule gegangen! Welpenkurs, Junghundkurs, Spielstunde und Freizeitbeschäftigung. Na ihr wisst schon. Und danach sind sie so ausgepowert, dass man sie beruhigt  “Hund sein lassen kann”. Ich spreche vom Ableinen und Freilauf, was man sonst vielleicht eher mit gemischten Gefühlen tut, wenn der Hund voller Energie steckt. Die Faustregel lautet: ein ausgelasteter Hund, ist ein gehorsamerer Hund. Und wir wissen ja, sollte das Gehorsam kurzzeitig mal abhanden kommen, besteht kein Grund zur Sorge. Ich erwähnte es schon, das ist dann der Trieb, den man nie ganz raus bekommt. 😉

Sollte am Ende das ganze Trainings-Brimborium, Meditieren und Kommandieren nicht genügen, damit der Hund ein gutes Leben erzogen und ausgelastet ist – es gibt eine Milliarde super exklusive Shops, die sämtliches Zubehör für Hunde zu wirklich großem Preis verkaufen. So kann man das eigene Tier zusätzlich mit Gedöhns überschütten, es vor der Kamera posieren lassen, kostengünstige Werbung für Firmen machen und den Hund zusätzlich auslasten. Ein Hund ist nämlich kein richtiger Hund, wenn er nicht zwanzig Körbe und Futternäpfe hat, sowie eine Leinen-Garderobe, deren Inhalt zusammengeknüpft drei Mal um die Erde reicht.

Bestimmt habe ich noch ein paar Kleinigkeiten vergessen, die außerdem helfen, seinem Hund ein gutes Leben zu ermöglichen. Aber manche Dinge sind dann doch auch von Tier zu Tier variabel und der Fanatismus der Hundehalter ist ohnehin nicht in Gänze erfassbar. Dafür ist er einfach zu absurd. Wo kämen wir auch hin, wenn wir normal mit unserem Hund umgehen würden, statt solchen Aufwand zu betreiben?! Völliger Quatsch wäre das! Jawohl.

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