Rasseportrait: Deutscher Jagdterrier

Heute haben wir mal einen speziellen Hund im Portrait. Aber ehrlich, habt ihr von ihm schon mal gehört? Sieht süß aus oder? Auf jeden Fall. Dabei ist er aber mal gar kein reiner Familien- oder Begleithund. Warum? Das wird uns Marlen vom instagram Account Morton und Marlen heute erzählen. Sie ist mit diesen Hunden aufgewachsen, die recht „verpöhnt“ sind. Sie schrieb mich an, mit der Bitte etwas mehr über den Jagdterrier erzählen zu können, der oft missverstanden wird. Und da ich es überhaupt nicht mag, wenn Rassen missverstanden werden, habe ich sie liebend gern in die Rasseportrait-Reihe aufgenommen. 🙂


Mit einer Widerristhöhe zwischen 33 und 40 cm und einem Gewicht von 7 bis 10 kg gehört der Deutsche Jagdterrier zu den kleineren Terriern. Er hat ein schlichtes, dichtes, hartes Rauhhaar oder derbes Glatthaar. In der Regel ist er schwarzrot, kann aber auch lohfarben oder ganz rot sein. Die Pflege des Deutschen Jagdterriers beschränkt sich auf ein Minimum. Er muss nicht getrimmt und nur ab und zu gebürstet werden.

Nach dem ersten Weltkrieg trennten sich einige Jäger von dem zahlenmäßig starken Foxterrier-Club, um eine eigene Zucht aufzubauen. Diese sollte sich ausschließlich an der jagdlichen Leistung orientieren. Man legte großen Wert darauf, einen vielseitig veranlagten, harten, spurlauten und wasserfreudigen Hund mit ausgesprochenem Jagdinstinkt und bester Abrichtefähigkeit zu züchten. 1926 wurde dann der Deutsche Jagterrier-Club e.V. gegründet. Nach wie vor legen die Züchter des Deutschen Jagdterriers allergrößten Wert auf jagdliche Brauchbarkeit, Wesensfestigkeit, Mut und Schneid dieses Jagdhundes.

Der Jagdterrier ist mutig und taff. Er arbeitet gern und ausdauernd, ist vital und temperamentvoll, zuverlässig, umgänglich und führig. Ein toller Hund, aber nur in der Hand eines Profis. Wer ihn als reinen Begleit- oder Familienhund halten will, wird schnell Probleme mit ihm bekommen. Als Terrier weiß er sich Freiheiten, die ihm nicht zugestanden werden, einfach zu nehmen. Solange er artgerecht gehalten wird, ist er der perfekte Freund und Begleiter für den Jäger.

Der Deutsche Jagdterrier ist gelehrig, schlau, gehorsam und seinem Besitzer treu ergeben, doch er ist schwer zu erziehen. Er will arbeiten und benötigt unbedingt eine Aufgabe als Jagdhund oder Stöberhund und das dazugehörige Training. Wer ihm das bietet, wird keine Schwierigkeiten mit ihm haben. Wer ihn jedoch unterfordert, wird garantiert die negativen Seiten eines Terriers mit natürlicher Schärfe und einem ausgeprägten Freiheitsdrang kennenlernen.

Mit einem Durchschnittsalter von 9 bis 15 Jahren ist dieser Arbeitshund und zuverlässiger Begleiter.


Und hier nun Marens Antworten zu unseren Fragen! 😉

1. Wie kam es, dass du dich in genau diese Rasse verguckt und für einen solchen Hund entschieden hast?
Früher hatten wir bereits einen Parson Russel Terrier, den man super mitnehmen konnte, aber im Großen und Ganzen war er wesensschwach und eher unberechenbar. Da Jagdterrier genau das nicht sind, bekamen wir 2008 unseren ersten Jagdterrierwelpen (Gerry von Oberwiese). Da mein Vater beruflich für einige Zeit ins Ausland musste, haben wir diesen abgegeben. Aber ab da waren wir dann mit dem Jagdterriervirus infiziert. Es stand fest, dass es keine andere Rasse mehr für uns gibt (Ausnahmen bestätigen die Regel, siehe Morton).

2. Wie würdest du das Wesen deines Hundes beschreiben?
Da wir im Moment drei von der Sorte haben ist das gar nicht so einfach. Aber ich kann generell etwas dazu sagen. Hingegen der landläufigen Meinung sind Jagdterrier echt super ruhige und freundliche Hunde. Wie jeder andere Hund brauchen sie Konsequenz, aber keine „harte Hand“. Jagdterrier sind extrem stur, aber in manchen Situationen auch total sensibel. Da kann man dann viel kaputt machen, wenn man meint Jagdterrier bräuchten Prügel. Mit anderen Hunden klappt es meistens. Die Hündin entscheidet aber eher nach Sympathie, egal ob Rüde oder Hündin. Auf der Jagd sind die Hunde sehr scharf, furchtlos und mutig. Genau das zeichnet sie aus. Und Jagdterrier sind wahnsinnig schlau und verrückt. Ihnen fällt immer etwas ein, wenn es zum Beispiel um Essen vom Tisch klauen geht.

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3. Was zeichnet diese Rasse für dich besonders aus?
Die Drei sind seeeeeeehr eigenwillig und drücken sich ganz klar aus. Das merkt man am folgenden Beispiel. Polly liebt es den Leuten die an unserer Straße langlaufen etwas Angst einzujagen (klappt mit 8 kg und einer Höhe von 34 cm nicht ganz so gut). Da wir ihr das aber verbieten, stolziert sie dann um uns rum und meckert uns an, und zwar richtig. Mit komischen Geräuschen. 😀 Sobald man sich auf die Knie setzt, versucht sie einem auf die Schultern zu springen und leckt einem den ganzen Hals ab … lecker! 😀 Und Tux liebt Männer. Kommt jemand zu Besuch nimmt er Anlauf und springt denen auf den Arm. Davon mal abgesehen, sind sie jagdlich einfach super. So gut wie überall zu gebrauchen. Das einzige was sie nicht können ist vorstehen.

4. Hat dein Vierbeiner eine bestimmte Eigenschaft, die mal so gar nicht rassetypisch für ihn ist?
Nein, eigentlich nicht. Die drei sind typische Jagdterrier so wie sie sein sollen. 😉

Tux und Anni zunge raus
5. Wie viel Energie hat dein Hund und wie gestaltest du den Hundealltag, um deinen Vierbeiner auszulasten?
So wie schon bei meinem Wachtel beschrieben, beschäftigen sich die Hunde mit Spielen, Suchen und Mäuse jagen. In der Jagdsaison (Herbst/Winter) jagen sie. Ansonsten üben wir mit ihnen den Grundgehorsam.

Polly Baumstamm
6. Nutzt du  bestimmte „spezielle Fähigkeiten“ dieser Rasse um damit gezielt mit deinem Hund zu arbeiten oder zu trainieren?
Auch das ist ganz einfach zu beantworten. Der DJT wird ebenfalls nur an Jäger, oder wirklich ambitionierte Hundesportler abgegeben. Sie haben einen starken Beute-, Jagd- und Spieltrieb der gefordert werden will. Dementsprechend jagen sie bei uns und machen alle Aufgaben rund um die Jagd.

7. Gibt es gesundheitlich bestimmte Dinge, auf die du besonders achtest/ achten musst?
Nein auch das nicht. Jagdterrier sind extrem robuste Hunde, die weder gebürstet werden müssen noch irgendwelche Erbkrankheiten haben. Worauf ein Gentest gemacht wird ist die primäre Linsenluxation (Ablösung der Hornhaut), die Krankheit ist aber so gut wie ausgestorben. Sie fressen eigentlich alles und davon auch eher wenig. Sind aber leider unbestechlich. 😀

8. Hat dein Hund eine/n Kumpel/ine der gleichen Rasse? Und wenn ja, verhalten diese sich untereinander anders als zum Beispiel beim spielen und toben mit anderen Hunderassen?
Jagdterrier spielen WILD und zwar sehr wild. 😀 Sie rennen sich um, beißen sich so doll das man denkt: „ Jetzt tut es doch mal weh!“- das habe ich bei keinem anderen Hund bisher gesehen. Schmerzen sind eher ein Fremdwort.

Welpen und Tommy
9. Ist diese Rasse ein Publikumsmagnet oder halten Andere eher erstmal Abstand bis sie deinen Hund besser kennen?
Andere Jäger halten meist Abstand, da der Jagdterrier leider einen extrem schlechten Ruf hat. Wenn sie aber merken wie lieb und verschmust unsere Hunde sind, ist die Scheu schnell vergessen. Viele andere kennen die Rasse nicht, aber bei Terriern sind die meisten Menschen eher zurückhaltend.

10. Hast du dir das Zusammenleben mit dieser Rasse, bevor dein Hund bei dir einzog, genau so vorgestellt oder ist es doch anders geworden als vor der Anschaffung erwartet?
Da mein Vater sich für die Jagdterrier entschieden hat und ich weder ja noch nein sagen konnte, was ich natürlich auch niemals machen würde, hatte ich auch hier keinerlei Erwartungen.

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Danke liebe Marlen, dass du so ehrlich warst. Ich freue mich, dass du auf mich zugekommen bist und dich zur Teilnahme angemeldet hattest. 🙂
Ich finde auch, dass der DJT kein Familienhund ist und ausschließlich für die Arbeit genommen werden sollte. Dafür ist er da und das ist auch gut so! Es gibt immerhin viele andere tolle Familienhunde, die dann auch nicht ganz so stur sind. 😉

Wer sich den Deutschen Jagdterrier nicht nur auf Marlens instagram in Bildern ansehen mag, der findet auf Facebook die Seite Deutscher Jagdterrierzwinger „vom Feldkrug“ – FCI. 😉

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