Rasseportrait: American Pit Bull Terrier

Auch heute gibt es wieder ein etwas spezielleres Rasseportrait. Da „Listenhunde“ nicht allzu häufig bei uns verantwortungsvoll vertreten sind, haben sich hierzu auch nicht zu viele Teilnehmer für ein Rasseportrait gefunden. Doch die gute Lisa von hundhoch3 hat eine Pilltbull-Boxer-Hündin und gastiert stellvertretend für den Pit Bull im heutigen Rasseportrait bei uns. 🙂


Bevor wir starten, würde ich gern einmal kurz auf den Begriff „Listenhund“ eingehen wollen.

Eine Rasseliste ist im Kontext der Hundehaltung eine Liste von Hunderassen, die rassebedingt als „gefährlich“ angesehen werden oder von denen man „Gefährlichkeit“ vermutet wird („Kampfhunde“, gefährliche Hunde). Von den Rasselisten erfasste Hunde werden als Listenhunde bezeichnet. Für ihre Haltung gelten verschiedene Einschränkungen, die sich je nach örtlichen Gegebenheiten unterscheiden können.

Neben einem Verbot der Haltung gewisser Rassen sind rassespezifische Einschränkungen bei der Haltung möglich. Auf den Halter bezogen kann das beispielsweise Volljährigkeit, Vorlage eines Führungszeugnisses oder die Pflicht zum Ablegen einer Sachkundeprüfung („Hundeführerschein“) bedeuten. Bei der Haltung von „als gefährlich eingestuften Hunden“ können weitere Sonderregelungen wie ein Leinenzwang, Maulkorbpflicht, Chippflicht, Versicherungspflicht, Genehmigungspflicht, Unfruchtbarmachung, Pflicht zur sicheren Umzäunung des Besitzes (auf dem der Hund gehalten wird) oder Ablegen eines Wesenstests für Hunde vorgeschrieben sein.


Der Pit Bull gehört leider ebenfalls zu den Listenhunden. Er ist ein kompakter Hund mit bis zu 27 kg Gewicht bei einer Größe von 43 bis 53 cm. Sein Fell ist kurz, dicht und glänzend. Im Standard sind alle Farben und Zeichnungen sind erlaubt außer Merle. Es gibt: Schwarz, Rot, Grau, Rehfarbe, Stromung, Blau, Braun, Loh, Weiß. (Blaue Augen sind nach neuestem UKC- und ADBA-Standard wohl nicht mehr zulässig.)

Ursprünglich war das Ziel der Pit Bull Zucht der Kampfwille des Tieres, wobei das Aussehen keine tragende Rolle spielte. Alle rassetypischen Eigenschaften des American Pit Bull Terrier lassen sich, im Unterschied zu anderen Hunderassen, auf die ursprüngliche Aufgabe des Hundekampfes zurückführen. Dazu gehört auch, dass die Hunde im Hundekampf keine Menschen beißen durften! Daher wurden Hunde, die das taten, als „man biter“ aus der Zucht genommen. American Pit Bull Terrier hatten sich im Kampf von ihrem Hundeführer leiten zu lassen und sind daher meist gegenüber Menschen bereit zur Unterordnung, als Wachhunde jedoch nicht geeignet.

Die amerikanische Tierschutzorganisation ASPCA beschreibt den Pit Bull als einen im Allgemeinen intelligenten und sanftmütigen Hund. Auch im Rassestandard des UKC wird er als exzellenter Familienhund beschrieben. Manche beschreiben ihn als Clown, Tröster, Spielgefährte und Bettwärmer. Um dieses gewünschte Verhalten eines American Pit Bull Terriers zu erhalten, muss er sorgfältig sozialisiert und mit verschiedenen Umweltfaktoren von klein auf vertraut gemacht werden. Dann ist er gehorsam, loyal, freundlich und anhänglich. Die Erziehung des Pitbull muss bereits im Welpenalter beginnen und erfordert äußerste Konsequenz. Andernfalls kann sich die Haltung schwierig gestalten. Aggressionen gegenüber Menschen oder Tieren sollten bereits im Ansatz direkt unterbunden werden. Am einfachsten ist es, indem dem Pit Bull Alternativen angeboten werden, die ihm Spaß machen und ihn geistig fordern. Er ist durchaus klug und gelehrig. Durchsetzungsvermögen ist wichtig, um einen Pitbull zu einem gesellschaftsfähigen Familienhund zu machen. Wie alle Terrier ist der American Pit Bull jedoch auch sensibel. Übermäßige Härte oder gar Gewalt ist in seiner Erziehung fehl am Platz.

In den USA weiß man die positiven Eigenschaften des Pitbull zu schätzen. Dort setzt man ihn als Spürhund oder Rettungshund ein. Wettkämpfe übt er legal nur noch als Zughund aus.

Pit Bulls werden durchschnittlich bis zu 12 Jahre alt.


Lisa hat gleich 3 Hunde und einer davon ist die Pit Bull-Boxer-Hündin Lana, folgendes hat sie auf die 10 Fragen geantwortet! 😉

1. Wie kam es, dass du dich in genau diese Rasse verguckt und für einen solchen Hund entschieden hast?
Dass ich auf diese Mischung gekommen bin, hat eher der Zufall entschieden. Ursprünglich wollte ich eher einen kleinen Hund, wie einen Jack Rusell. Aber wo die Liebe hinfällt … 😉

2. Wie würdest du das Wesen deines Hundes beschreiben?
Lana ist ein sehr gemütlicher Hund. Sie spielt gelegentlich gerne mit anderen Hunden und manchmal ist Spielzeug auch okay. Meistens wird es (zum Leidwesen von Frauchen) jedoch lieber zerstört. Da Lana manchmal dazu neigt, sich draußen wie ein Elefant im Porzellanladen zu bewegen und mit ihren Pfoten umherzufuchteln, sind größere Hunde eher zum spielen geeignet als kleine. Sie spielt gern laut und recht ruppig. Trotzdem zeigt sie immer eine sehr deutliche Körpersprache und ist gut sozialisiert. Zuhause ist sie unheimlich verschmust und anhänglich. Ich habe noch nie einen Hund getroffen der anhänglicher ist als sie (außer vielleicht ihre Schwester). Trotz ihrer ruhigen Art ist Lana ein sehr vorsichtiger Hund. Fremde werden lautstark begrüßt und erstmal kritisch aus etwas Entfernung beäugt. Wenn sie auch noch Futter dabei haben, könnte man Freundschaft schließen! Für ein paar Leckerlis tut Lana alles.

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3. Was zeichnet diese Rasse für dich besonders aus?
Ich liebe einfach den sportlichen, muskulösen Körperbau aller Listenhundrassen. Sie haben etwas sehr edles an sich und sind mit guter Erziehung immer freundlich und loyal. Man kann sie zu allem begeistern und sie machen gern alles mit einer Engelsgeduld mit. Auch Kinder sind bei Pitbull, Stafford und Co. unheimlich beliebt. Außerdem schätze ich das ruhige Wesen dieser Rassen. Sie haben einfach eine ganz besondere Ausstrahlung!

4. Hat dein Vierbeiner eine bestimmte Eigenschaft, die mal so gar nicht rassetypisch für ihn ist?
Oh ja! Sie ist sehr vorsichtig und misstrauisch in ihr unbekannten Situationen! Manchmal ist ihre Angst so groß, dass sie am Liebsten weglaufen würde. Die Blicke der Leute sind oft göttlich, wenn der „Kampfhund“ gar nicht aggressiv reagiert sondern sich lieber hinter Frauchen versteckt. 😀

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5. Wie viel Energie hat dein Hund und wie gestaltest du den Hundealltag, um deinen Vierbeiner auszulasten?
Lanas Energie hält sich in Grenzen, sie wäre wahrscheinlich der perfekte „Rentnerhund“. Wir gehen alle 2 Tage auf unsere Spielwiese. Dort kann sie dann einige Zeit frei laufen und mit ihrer Schwester spielen. Die meiste Zeit verbringt sie dort allerdings damit sich zu wälzen, um dann wie eine dicke Hummel loszurennen und ihre Kreise zu ziehen. Wenn sie fertig ist, kommt sie wieder zu mir zurück und wir gehen nachhause.
Außerdem betreiben wir dann nur noch etwas „Gehirnjogging“ durch kleine Intelligenz- und Suchspiele im Haus. Auch wenn sie nicht zu den intelligentesten Hunden zählt, macht sie alles neugierig und begeistert mit und schläft danach geschafft ein.

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6. Nutzt du  bestimmte „spezielle Fähigkeiten“ dieser Rasse um damit gezielt mit deinem Hund zu arbeiten oder zu trainieren?
Eher weniger. Allerdings überlege ich seit längerem mit ihr Agility zu beginnen, da sie von Haus aus sehr Sprung- und Kletterbegeistert ist und es ihr sicher Spaß machen würde.

7. Gibt es gesundheitlich bestimmte Dinge, auf die du besonders achtest/ achten musst?
Pflegeteschnisch ist Lana ein sehr einfacher Hund. Manchmal schneide ich ihr die Krallen (wie es bei vielen anderen Hunden auch nötig ist). Ansonsten braucht sie keine rassespezifische Pflege.
Leider hat sie Gesundheitsmäßig nicht so gute Karten. Sie ist starke Allergikerin und bekommt nun nach langem Suchen ein spezielles Allergikerfutter das sehr teuer ist. Lana verträgt leider nur Kaninchenfleisch. Gegen ihre starke Hausstauballergien wird sie zusätlich monatlich von mir gespritzt. Seitdem hat sie zumindest keine Hotspots mehr.

8. Hat dein Hund eine/n Kumpel/ine der gleichen Rasse? Und wenn ja, verhalten diese sich untereinander anders als zum Beispiel beim spielen und toben mit anderen Hunderassen?
Ja, wir haben so einige Spielkumpels der gleichen Rasse/ Mischung. Starke Hunderassen spielen für Außenstehende oft sehr ruppig miteinander, bellen und knurren viel. Man muss erst lernen, sich daran zu gewöhnen. Trotz all dem ist natürlich noch nie jemandem etwas passiert. Außerdem liebt sie es, mit ihren großen Hundekumpels zu viel zu rennen und sozusagen fangen zu spielen.

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9. Ist diese Rasse ein Publikumsmagnet oder halten Andere eher erstmal Abstand bis sie deinen Hund besser kennen?
Oh nein, wir sind definitiv keine Publikumsmagneten! 😉 Da wird teilweise ins Gebüsch gesprungen, damit man nicht an uns vorbeigehen muss – den Medien sei Dank.
Die „Kampfhund“-Problematik ist nicht so einfach und es ist ein sehr umfassendes Thema. Man erlebt oft Anfeindungen von Fremden. Auch stehen uns immernoch vollkommen ungerechtgertigte Auflagen durch das Ordnungsamt im Weg. Lana und ihre Schwester mussten dieses Jahr einen Wesenstest machen und dürfen trotz Bestehen ihren Maulkorb nicht absetzen. Das macht die Angst der Leute natürlich nicht besser und so werden wir weiter umgangen und beschimpft.
Leider landen auch viel zu viele Listenhunde im Tierheim. Dort führen sie ein eintöniges Leben und die meisten werden dort in ihrem Leben nicht mehr herauskommen. Wir von Hundhoch3 haben es uns also zur Aufgabe gemacht, über Listenhunde aufzuklären. In unserem Blog erfahrt ihr vieles über sie.

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10. Hast du dir das Zusammenleben mit dieser Rasse, bevor dein Hund bei dir einzog, genau so vorgestellt oder ist es doch anders geworden als vor der Anschaffung erwartet?
Bis auf Lanas Krankheitsgeschichte habe ich es mir genau so vorgestellt, wie es jetzt ist. Sie ist der perfekte Hund für mich! Sie ist lieb, ruhig, genügsam und durch und durch „Muttikind“. Ich liebe meine beide Mäuse über alles und bereue nicht, sie mir zugelegt zu haben.

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Ich bin immer froh, wenn ich von Haltern weiß die verantwortungsvoll mit solchen „starken Hunden“ umgehen. Auch wenn ich selbst weiß, dass Listenhunde oftmals einfach verkannt und vorschnell abgeschrieben werden.

Danke Lisa, dass du uns so ehrlich über das Leben mit Lana erzählt hast und dabei auch die traurigen Fakten (wie eben die Maulkorbpflicht oder die Angst anderer vor deinen Hunden) nicht verschwiegen hast. Wir freuen uns wirklich sehr, dass du beim Rasseportrait mitgemacht hast. 🙂

Auf hundhoch3 und der hochhoch3 Facebook-Seite geht es nicht nur um Lana, sondern auch die anderen Hunde aus Lisas Haushalt und ein Besuch lohnt sich definitiv. Schaut doch mal vorbei! 😉


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Ein Gedanke zu “Rasseportrait: American Pit Bull Terrier

  1. Ich finde es wunderschön über „Listenhunde“ zu lesen, die (zumindest weitestgehend) ein Leben führen, wie alle anderen Hunde auch! Mich macht es glücklich, zu sehen, dass es immer noch Hundehalter gibt, die sich für die starken Rassen einsetzen. Und zwar den Anforderungen entsprechend und vernünftig. Toll! 🙂
    Damals hatte ich auch länger überlegt, einen Pitbull bzw. Staffordshire zu adoptieren, mich aber dann dagegen entschieden, weil es mein erster Hund werden sollte und ich mir dafür noch etwas zu unsicher war. Vielleicht (wenn meine Maus irgendwann nicht mehr ist) wird es ja dann ein Pittie 😉

    Gefällt 1 Person

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