Rasseportrait: Deutscher Pinscher

Wir sind total happy, dass unsere lieben Freunde von pawtners in crime und sein Frauchen Marit heute bei uns auf dem Blog zu Gast sind und den Deutschen Pinscher in unserem Rasseportrait vorstellen. Auch wir haben uns in diese Rasse tolle Rasse verguckt und hätten irgendwann total gern einen kleinen großen Bruder dieser Rasse für unseren Zwergpinscher Jack. 🙂


Der Deutsche Pinscher ist ein mittelgroßer Hund mit einer Widerristhöhe von 45 bis 50 cm und einem Gewicht zwischen 14 bis 20 kg. Der glatthaarige Deutsche Pinscher repräsentiert eine sehr alte Rasse, die bereits 1880 im Deutschen Hundestammbuch erwähnt wurde. Es gibt ihn einfarbig in Hirschrot, Rot-braun bis dunkel Rot-braun und zweifarbig in Schwarz-rot.

Der Deutsche Pinscher wurde ursprünglich als Wach- und Begleithund gezüchtet. Er ist lebhaft, temperamentvoll, selbstsicher und ausgeglichen, dazu paart sich Klugheit und Ausdauer. Eben weil er so ein anpassungsfähiger Hund ist, ist er sowohl für aktive Stadtmenschen als auch für das Leben auf dem Bauernhof geeignet. Fremde können selten unbemerkt sein Anwesen betreten, der Pinscher schlägt an, ohne jedoch ein Kläffer zu sein. Er ist ein sparsamer Beller, sehr aufmerksam, in der Wohnung allerdings eher ruhig, draußen dafür sehr temperamentvoll. Die Jagdlust ist individuell mehr oder weniger stark ausgeprägt, ebenso die Neigung zum eigenständigen Erkunden der Gemarkung. Gutartiger Charakter, Selbstsicherheit, Spiellust, Ausdauer und Widerstandsfähigkeit sprechen für seine Vielseitigkeit. Der Pinscher ist sowohl als Reitbegleithund als auch im Hundesport, beispielsweise beim Agility einsetzbar. Wichtig beim Deutschen Pinscher ist aber, dass der Besitzer gewillt und fähig ist, sich auf einen sehr lebendigen Hund einzulassen und ihn mit Liebe und Konsequenz, aber ohne Druck erzieht. Einige Deutsche Pinscher weisen einen nicht verkennbaren Jagdtrieb auf, gegen den man von Beginn an konsequent vorgehen und ihn in die richtigen Bahnen leiten sollte. Mit Fährtenarbeit kann man den Deutschen Pinscher in dieser Richtung beispielsweise sinnvoll beschäftigen. Auch die Sozialisierung mit anderen Hunden sollte man direkt von klein auf üben, um spätere Unstimmigkeiten, besonders unter Rüden, möglichst zu vermeiden.

Mit einer Lebenserwartung von 14 bis 16 Jahren ist auch diese Rasse ein langfristiger treuer Begleiter.


Was Marit so über ihren Tino zu sagen hat, das könnt ihr nun erfahren. 😉

1. Wie kam es, dass du dich in genau diese Rasse verguckt und für einen solchen Hund entschieden hast?
Als wir, also mein Freund und ich, uns vor etwa 2 Jahren mit dem Gedanken anfreundeten, einen Hund bei uns aufzunehmen, ging unser erste Gedanke eigentlich dahin, einen Hund aus dem Tierheim zu holen. Die Rasse spielte dabei erst mal keine Rolle, sondern eher die Größe und das Alter. Nachdem wir uns dann bei einigen Tierheimen und auch Schutzorganisationen schlau gemacht hatten, waren wir aber ziemlich verunsichert, da fast jeder Hund, den wir interessant fanden, die eine oder andere größere „Baustelle“ hatte. Besonders bei vorangegangenen Aggressionsproblemen trauten wir uns nicht zu, dem Hund gerecht werden zu können. Und schließlich konnten wir uns auch von dem emotionalen Aspekt nicht freisprechen, einen Welpen von klein auf, bei uns zu haben und alles selber zu machen. Von da an recherchierten wir sehr viel im Netz, machten auch den ein oder anderen lustigen Test („Welcher Hund passt zu mir?“) und erstellten Listen, mit Dingen, die wir uns von unserem ersten gemeinsamen Hund wünschten. Da man bei Mischlingen bestimmte Dinge wie die Größe, Jagdtrieb oder auch Felllänge nicht abschätzen kann, kam der Entschluss nach der richtigen Rasse für uns zu suchen. Um es kurz zu machen, engte sich das Feld durch folgende Kriterien sehr schnell ein. So sollte unser zukünftiger Hund…

1.) … mindestens eine mittlere Größe haben. (Mein Freund ist 1,90 m groß, tätowiert und bärtig. Da würde, seiner Meinung nach, ein kleiner Hund ein wenig deplatziert wirken. 😉 )

2.) … eine gesunde Rasse sein. Horrorgeschichten von Labbies mit HD, tauben Dalmatinern oder Cavalier King Charles Spaniel mit Epilepsie machten uns traurig und wir schlossen viele Rassen aus, da bestimmte Erbkrankheiten schon mit in der Rassebeschreibung standen. Dabei muss man natürlich sagen, dass nicht alle Hunde bestimmter Rassen, alle angeführten Erbkrankheiten bekommen. Allerdings wollten wir einfach einen Hund, der möglichst wenig erblich belastet ist.

3.) … sportlich und robust, ohne ein komplettes Arbeitstier, zu sein.

4.) … keinen ausgeprägten Jagdtrieb haben.

5.) … ein kurzes Fell haben. Dies ist sicherlich ein ästhetischer Aspekt, aber wir waren uns einig, dass ein kurzhaariger Hund pflegeleichter ist und wir lieber nicht Stunden mit Fellpflege verbringen wollten.

Am Ende sprachen alle diese Aspekte für den Deutschen Pinscher und nachdem wir bei einigen Züchtern waren, verliebten wir uns in diese Rasse. Eine kleine Anekdote ist noch, dass meine Mutter früher 2 Zwergpinscher hatte und immer von den „Poldys“ erzählt hat. Somit hatte ich zu „Pinschern“ immer schon eine sehr positive Verbindung und war selber überrascht, als ich diese Rasse entdeckte, da sie bis heute eher selten ist, sich aber stetiger Beliebtheit erfreut. Ob das nun gut oder schlecht ist, würde hier ein bisschen den Rahmen sprengen.

Der Fledermausmann2. Wie würdest du das Wesen deines Hundes beschreiben?
Tino ist in vielerlei Hinsicht ein sehr typischer Vertreter seiner Rasse. Als Wachhund schläft er im Schnitt weniger als andere Rassen; schließlich gibt es immer was zum aufpassen. Drinnen macht er dies aber zumeist sehr still. Das heißt er bellt zwar nicht, schaut aber öfter mal neugierig, was um herum ihn passiert; zu Hause genauso wie im Büro. Draußen ist er ein richtiger Clown und Powerpaket.
Von manchen Pinscherhaltern hört man, dass sie Sensibelchen sind und nachtragend sein können. Das kann ich nur bedingt bestätigen und ist eigentlich nur der Fall, wenn man unberechtigt laut wird. Ein lautes Nein! und ein Fussstampfer muss manchmal aber schon sein, um ihn von groben Flausen abzuhalten. Und in der Regel wird das auch so akzeptiert und wenig geschmollt oder gar verkrochen, denn dazu sind sie viel zu selbstsicher. Generell ist der Pinscher sehr aufmerksam und gelehrig. Man muss aber direkt zu Anfang mit ihm üben, dass auch mal Ruhe angesagt ist.

3. Was zeichnet diese Rasse für dich besonders aus?
Es gibt einige Sachen, die bei allen Deutschen Pinschern, die ich bis jetzt kennen lernen durfte, gleich sind. An oberster Stelle steht, dass sie sehr schlau, aber auch sehr „frech“ sind. Diese „Frechheit“ gründet sich aber, meiner Meinung nach eher darin, dass sie sehr eigenständig sind. Sie haben einen eher geringen „Will-to-please“ und lassen sich viele andere Dinge einfallen, die sie besser finden, als das was Herrchen/Frauchen grade für angebracht hält. 😉 Da braucht man schon eine gute Portion Humor, um in der Hundeschule nicht beim Anblick der Retriever, die ihre Halter verliebt anhimmeln, zu verzweifeln.
Als alte Rasse, sind unsere Pinschis einfach zur Eigenständigkeit gezüchtet worden und man muss schon sehr konsequent und auch kreativ sein um Herrn oder Frau Pinsch, davon zu überzeugen nicht den eigenen Kopf durch zusetzen. Wo Aussies vielleicht 2 Mal nachfragen, ob sie das Kommando wirklich ausführen sollen, hatte der Pinscher in der Zwischenzeit 6 andere Ideen, die er in dem Moment angebrachter findet, als jetzt „Sitz“ zu machen.
Wenn man sie aber motiviert bekommt, sind sie tolle Begleiter in der Stadt, als auch die perfekten Haus- und Hofhunde. Dafür wurden sie schließlich mal gezüchtet; auf die Bauernhöfe aufzupassen und die Ställe von Nagern frei zu halten. Fremde werden ziemlich zuverlässig gemeldet, bis sie abgerufen werden. Trotzdem sind sie recht sparsame Beller. Manche (etwa 50%) von ihnen haben einen gewissen Jagdtrieb, aber ich glaube, dass alle eine Schwäche für Mäuselöcher und das Ausbudeln selbiger haben.
Unser SchönerBeim Spielen sind sie mit Artgenossen und auch mit Menschen ziemlich rau. Da kommen sowohl Pfoten als auch Zähne zum Einsatz. Das Trainieren der Beißhemmung stand darum bei uns ganz oben auf der Liste und heute liebt Tino es mit uns zu zergeln und weiß ganz genau wie doll er seine Beißerchen einsetzen darf.
Darum wird von den meisten Züchtern empfohlen, dass Kinder in Familien, die einen Pinscher bei sich aufnehmen, schon etwas älter sein sollten. Deutsche Pinscher haben eine vergleichsweise niedrige Reizschwelle und Kinder sollten alt genug sein, diese zu akzeptieren. So aktiv wie sie draußen sind, sind sie aber auch ziemliche Schmusebacken. Nach einem erfolgreichen Rückruf kann ich Tino auch schon mal mit einer Runde Knuddeln belohnen und abends liegt er gerne eng angekuschelt neben uns, wenn wir mit ihm auf dem Teppich sitzen.

4. Hat dein Vierbeiner eine bestimmte Eigenschaft, die mal so gar nicht rassetypisch für ihn ist?
Tino ist jetzt 1 Jahr und ich werte sein momentanes Verhalten als pubertär und noch nicht ganz erwachsen, darum kann ich nicht sagen, ob sich sein Verhalten gegenüber unbekannten Menschen noch ändert. Als rassetypisch gilt eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Fremden. Entsprechend untypisch springt Tino aber den meisten Menschen, bekannt oder unbekannt, förmlich in die Arme (am Anspringen wird weiterhin gearbeitet;)) und freut sich über jeden, der ihn knuddelt oder mit ihm spielt.

5. Wie viel Energie hat dein Hund und wie gestaltest du den Hundealltag, um deinen Vierbeiner auszulasten?
Tino ist schon ein echtes Energiebündel. Einfach nur 3 Mal täglich um den Block gehen, reicht ihm definitiv nicht. Bei mindestens einem Spaziergang braucht er die Möglichkeit richtig zu rennen.
Dabei reichen meist aber schon 30 Minuten ausgiebiges Toben, am besten mit einem Hundekumpel, um ihn körperlich zu fordern. Daneben wird gemütlich gegangen, Leinenführung geübt oder geschnüffelt.
Von seiner Physiognomie her würde er sicherlich auch 20 km am Rad mitlaufen. Danach würde er aber völlig desolat zusammen klappen und ich nehme ihn nur gelegentlich mal mit zum Joggen, damit er nicht zum absoluten Konditionswunder wird. Wir machen meistens morgens die große Runde, die dauert zwischen 1 – 1 ½ Stunden. Danach wird ers tmal 15 Minuten nichts gemacht und runter gefahren. Je nach Lust, üben wir 5 Minuten neue Tricks oder einfach „Sitz“/“Platz“  und manchmal machen wir auch ein kleines Suchspiel. Da er eher weniger über Futter zu motivieren ist, nutze ich diese Zeit nachdem Spaziergang, weil er dann Hunger hat und dann auch das schnöde Trockenfutter gerne nimmt, dass wir als Trainigssnack benutzen. Dann bekommt er sein Fressen (BARF). Das ist zeitgleich auch die Hauptmahlzeit des Tages und dementsprechend ist er danach müde und legt sich ab. Wenn ich zur Arbeit muss und er mal nicht mit ins Büro kommt, ist er für die Zeit im Kennel und schläft. Mittags, wenn ich nach Hause komme, bzw. in der Mittagspause bei der Arbeit gehen wir 30-45 Minuten eine Runde in den Park. Manchmal machen wir Übungen wie „Sitz“, „Platz“ oder „Bleib“. Aber meistens trödeln wir rum oder treffen auf andere Hunde. Situationsabhängig lass ich ihn eine Runde toben oder wir üben auch mal „vorbei gehen“ (schwierige Übung momentan). Nach einem Tag „Aufpassen“ im Büro, an dem mit den Kollegen geblödelt, der Getränkelieferant abcheckt wird und Tiefschlaf eher Mangelware ist,  wird der restliche Tag zu Hause mit ruhen verbracht.

1 -2 Mal in der Woche machen wir eine Runde Zielobjektsuche (ZOS). Dazu haben wir bisher einen Einführungskurs bei Silke Wallichs gemacht. [Weitere Infos dazu auf www.mitdernasevoran.de] Tino hat so viel Spaß daran, dass wir das nächstes Jahr auf jeden Fall im Fortgeschrittenenkurs vertiefen. Grade für aktive und hibbelige Hunde ist es eine tolle Art, Ruhe zu üben und gleichzeitig das Köpfchen anzustrengen. Auch bei Schmuddelwetter ist es eine super Möglichkeit für drinnen und Tino geht danach immer glücklich auf seine Decke. Bei Bedarf gibt’s nochmal was zu knabbern. Insgesamt versuche ich sein „Erregungsniveau“ nicht zu hoch kochen zu lassen und nach einem aufregenden Tag (Elbstrand, Hundeschule, Besuch bei Oma und Opa) folgt immer mindestens ein „Trödeltag“.

im Volkspark6. Nutzt du  bestimmte „spezielle Fähigkeiten“ dieser Rasse um damit gezielt mit deinem Hund zu arbeiten oder zu trainieren?
Pinscher haben ein gutes Näschen. Somit machen wir viele Suchspiele und ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell er die Sachen, auch in unbekannter Umgebung findet. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Pinscher vieles können, aber Apportieren nicht dazu gehört. Das stellt auch für Tino tatsächlich eine große Herausforderung dar. Und wo andere, ein paar mal lässig den Ball oder das Spieli über die Wiese werfen und der Hund es freudestrahlend zurück bringt, ist es für uns schon eine richtige Übung. Schwierig ist es nämlich, dass der Gegenstand a.) nicht einfach an Ort und Stelle zerkaut wird und b.) wieder bis vor meine Füße kommt. 😉

7. Gibt es gesundheitlich bestimmte Dinge, auf die du besonders achtest/ achten musst?
Wie oben bereits beschrieben, haben wir uns u.a. für den Deutschen Pinscher entschieden, weil die Rasse als besonders robust gilt und, genau wie der Zwergpinscher, wirklich steinalt (bis zu 16 Jahre und älter) werden kann, dabei aber ziemlich fit bleibt. Somit gibt es keine großen „Baustellen“, die man beachten muss. Da unsere Pinschis so ein wunderbar pflegeleichtes, glänzendes Fell haben, ist leichtes abrubbeln von grobem Dreck ausreichend. Pinscher sind, was die eigene Fellpflege angeht, wie Katzen. Sie lecken sich gerne und ständig, bis sie wieder entsprechend sauber sind und sich wohl fühlen. Viel Dreck tragen sie demnach nicht mit ins Haus. Auch weil sie Wasser, Schlamm und Pfützen weiträumig umlaufen. Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Bei ungemütlichem Wetter, mit viel kühlem Wind und Regen, empfiehlt es sich, dem Hund eine Jacke an zu ziehen, da sie keine schützende Unterwolle haben und man ohne eine Erkältung oder, besonders bei Hündinnen, eine Blasenentzündung riskiert. Generell haben die meisten Pinscher bei so einem Wetter, aber eh wenig Lust große Runden zu drehen.
Eine Sache unter der einige Pinscher, bis etwa dem 3. Lebensjahr leiden können, ist die Ohrrandnekrose. Dabei können die Ohrränder, besonders im Winter, bei manchen aber auch ganzjährig, trocken werden. Ob Pinscher eine Ohrrandnekrose bekommen, kann davon abhängen, wie dick die Ohren sind und wie stark behaart diese sind.
Häufiges Schlackern kann dann bei dünnen, wenig behaarten Ohren dazu führen, dass die Ohrränder hart werden, einreißen und bluten können. Manchmal liest man im Netz gar von richtigen Blutspritzern an der Tapete. Auch Tino hat momentan mit diesem Phänomen zu kämpfen, welches bis jetzt nicht genetisch nachweisbar ist. In der Pflege heißt das, wir kontrollieren jeden Tag seine Öhrchen und behandeln fleißig mit Bepanthen und Propoliscreme. Das rechte Ohr mussten wir jetzt mit einem Blasenpflaster abkleben, da es einfach nicht richtig zuwachsen wollte und wir hoffen, dass es nun besser wird. Um Lebensmittelallergien durch Fertigfutter auszuschließen, füttern wir BARF. Allerdings sind wir nicht immer ganz konsequent und so kriegt Tino auch mal gekochte Kartoffeln und neben Trockenfleisch, auch mal ein paar getreidefreie Stück Trockenfutter im Training. Leider mussten wir eine etwas langwierige Ausschlußdiät machen und haben festgestellt, dass er Huhn, egal in welcher Form, gar nicht verträgt. Lamm, Wild, Rind und Fisch ist aber auch was Feines.

8. Hat dein Hund eine/n Kumpel/ine der gleichen Rasse? Und wenn ja, verhalten diese sich untereinander anders als zum Beispiel beim spielen und toben mit anderen Hunderassen?
Tino ist beim Spielen recht unvoreingenommen und tobt eigentlich mit allen gerne. Aber bei uns in der Nachbarschaft gibt es 2 Pinscherdamen und besonders Flora mit den Stehohren liebt er sehr. Das kann aber auch daran liegen, dass sie nicht kastriert ist, sich von seiner pubertären Aufdringlichkeit nicht einschüchtern lässt und die beiden die gleiche Intensität beim Spielen haben. Was mir aufgefallen ist, dass es bei den Pinschern untereinander rauer zugeht, ohne dass es in eine richtige Rauferei ausartet. Dieses raue Spiel und der schnelle Wechsel zwischen kabbeln und rennen bekommen manch andere Hunde in den falschen Hals und grade mit anderen Rüden, kommt es dann mal zu einer kleineren Streiterei. Wird es unter Pinschern mal etwas unwirsch, wird sich danach einmal geschüttelt und es geht wieder von vorne los, ohne dass einer den Schwanz einzieht. Von dieser forschen und unnachgiebigen Spielweise höre ich immer wieder, besonders von anderen Rüdenbesitzern und man sollte da immer ein Auge drauf haben.
Manchmal muss ich Tino im Spiel mit anderen Hunden schon mal anzeigen, dass er ruhiger machen soll, damit der andere Hund nicht runtergebuttert wird. Im Spiel mit anderen Pinschern lasse ich (natürlich in Absprache mit dem anderen Halter) das dann schon öfter mal laufen. Außerdem bellen Pinscher, auch im Spiel miteinander oder mit anderen Hunden eher selten bis gar nicht. Wenn ein anderer Hund dann, zum Beispiel beim Fangen spielen, anfängt zu kläffen, verliert Tino schnell die Lust und ist irritiert, warum der andere so ein Theater macht.

Glänzendes Fell im Herbstlaub9. Ist diese Rasse ein Publikumsmagnet oder halten Andere eher erstmal Abstand bis sie deinen Hund besser kennen?
Schwarzen Hunden sagt man ja nach, etwas angsteinflößender zu sein, als hellere Exemplare. Und obwohl Tino wahrlich kein Riese ist (mit seinen 46 cm Höhe und knapp 14 Kilo ist er sogar kleiner und quadratischer als viele der anderen Rüden), reagieren besonders kleinere Kinder (bis ca. 6/7 Jahre) manchmal vorsichtig und erschrecken auch schon mal, wenn wir um die Ecke kommen. Zum Glück findet Tino Kinder ziemlich uninteressant und wir können ganz entspannt weiter gehen. Davon abgesehen haben wir, besonders zur Welpenzeit, ganz viel Interesse entgegen bekommen. Viele kennen nur die Zwergpinscher und sind dann ganz verwundert, dass es noch eine Größe zwischen Zwerg und Dobermann gibt. Häufig gehört haben wir hier in St. Pauli, Sachen wie „Oh Digger, voll geil, guck mal. Ist Babydobermann oder?“
Davon abgesehen, waren wir dann und wann auch ein bisschen stolz, zu hören, dass er so ein super glänzendes Fell und einen hübschen Kopf hat. Von anderen Hundebesitzern höre ich bis heute immer wieder „Du bist aber streng mit dem!“/“Lass ihn doch, der ist doch noch jung!“ Wenn ich dann etwas mehr zur Rasse den eigenwilligen Charakter erzähle, ist die anfängliche Euphorie meist wieder etwas gedämpft.

10. Hast du dir das Zusammenleben mit dieser Rasse, bevor dein Hund bei dir einzog, genau so vorgestellt oder ist es doch anders geworden als vor der Anschaffung erwartet?
Vieles, besonders bei der Erziehung, habe ich so erwartet und wir sind erst in die Welpenstunde und dann in die Hundeschule mit Tino gegangen. Momentan pubertiert der kleine Prinz so vor sich hin und vergisst über Nacht, die einfachsten Dinge und die Ladys sind manchmal einfach spannender als Frauchen, was aber nicht unbedingt rassespezifisch ist, obwohl man Pinscherrüden schon nachsagt, dass sie nochmal eine Schüppe territorialer sein können. Ich bin ein ziemlicher Organisationsfreak und habe mir vorher genaue Stundenpläne gemacht, wie der Tagesablauf sein sollte und wie der Hund, wann beschäftigt wird. Aber wie so oft im Leben, habe ich gelernt, dass weniger mehr ist und wir im Endeffekt durchaus auch noch Freizeitaktivitäten ohne Hund haben und auch Tino einfach mal zu Hause eine ruhige Kugel schieben kann, wenn Herrchen und Frauchen im Kino sind. Ein Hund braucht keine 24h Dauerbetreuung, dementsprechend ist es inzwischen entspannter, als ich es zu Anfang „befürchtet“ hatte. 😉
Aber es gibt auch zwei Sachen, die definitiv eine Herausforderung sind und die ich an dieser Stelle gar nicht schön reden will. Pinscher sind Wachhunde und haben gerne alles im Blick. Damit einhergehend wurde uns von fast allen Züchtern gesagt, dass sie nur sehr schwer alleine bleiben können. Man darf das nicht als Verlassensangst deuten, sondern sie wollen gerne immer wissen, wo sich das Rudel aufhält um kontrollieren und aufpassen zu können. Tino schläft nachts in einer geschlossenen Box bzw. Kennel und dort ist auch sein Ort, wo alle er alle seine Zuständigkeiten abgeben und völlig entspannen kann. Und wenn wir ihn alleine lassen, geht er dort auch tagsüber ohne Murren hinein. Würden wir ihn in einem Raum alleine lassen, würde er völlig gestresst sein und die gesamte Nachbarschaft zusammenfiepen. Und das ist der andere Punkt, den aber alle Züchter verschwiegen haben und es sich auch erst nach einiger Recherche im Netz rausstellte, dass wir nicht die einzigen sind, die damit zu tun haben. Denn wenn es dem Pinschi nicht schnell genug geht, er keine Lust hat an der Straße zu warten oder ihm langweilig ist, fängt er an zu fiepen. Dieses „Pinscherfiepen“ ist nervig, ausdauernd und durch ignorieren eigentlich nicht zu unterbrechen bzw. abzutrainieren. Daneben glauben wir ein besonders begabtes Exemplar im Fiepen ergattert zu haben und suchen noch nach Alternativen, die er in den entsprechenden Situationen machen kann, anstelle von Dauerquengeln.
Was wir als Ersthundbesitzer (wir hatten vorher zu Hause Familienhunde, aber keine eigenen) aber nicht geahnt haben, ist wie sehr uns dieser kleine Frechdachs ans Herz wächst und wir ihn nicht mehr hergeben wollen. Und bis jetzt haben wir noch keine andere Rasse gefunden, die uns ähnlich fasziniert.


Vielen Dank liebe Marit, für deine umfangreichen Antworten und die lebhaften Schilderungen, wie es mit eurem Tino so zugeht. 🙂 Mir selbst kribbelt es beim Lesen total, denn meine eigene Vorfreude auf einen Deutschen Pinscher wächst zunehmend und auch wir sehnen den Tag herbei, da ein so prima Hund bei uns in die Familie einzieht. 😉

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